Ralf Gruber, Journalist
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(erschienen in FOCUS 33/1996)

"Geschäfte mit den Bürgerdaten"

TopWare-Anwalt Joachim Steinhöfel verteidigt die umstrittene Telefonbuch-CD "D-Info 3.0"

FOCUS: Die Telekom-Tochter DeTeMedien überzieht Sie mit Klagen. Wem gehören die Telefonbuchdaten?

Steinhöfel: Dem Volk. Daran, daß Hans Müller in der Müllerstraße wohnt, kann man kein Eigentum haben. Ein Telefonbuch ist kein Werk von Picasso, sondern nichts als DIN 5007 - die Norm für Telefonnummern.

FOCUS: Neben der umstrittenen Rufnummernidentifikation enthält die neue "D-Info"* auch mikrogeographische Zusatzdaten über die Wohnsituation. Verkaufen Sie die Privatsphäre der Bürger?

Steinhöfel: Natürlich machen wir Geschäfte mit den Daten der Bürger. Aber diese Art von Datenverkauf ist wirtschaftlich schlau und auch nützlich, weil es diesen Weg, die Telekommunikation zu vereinfachen, bisher nicht gab. Jeden, der nicht auf die CD wollte, haben wir sofort herausgenommen. Und letztlich sind es nur Daten, die jeder freiwillig für den Telefonbucheintrag hergegeben hat.

FOCUS: Die persönlichen Wohndaten veröffentlichen Sie ohne Erlaubnis.

Steinhöfel: Stimmt. Aber die sind nur ein Gimmick. Im Vergleich zu den Daten, die in Deutschland legal durch den Adreßhandel verkauft werden, sind sie geradezu lächerlich.

FOCUS: Auch wenn sie zu Informationsprofilen verknüpft werden?

Steinhöfel: Die Daten als solche sind unproblematisch. Was sich mit Technik aus ihnen machen läßt, ist eine andere Frage.

FOCUS: Die Proteste der Datenschützer lassen Sie kalt?

Steinhöfel: Solange die sich überwiegend als Erfüllungsgehilfen großer Daten- und Adreßhändler gerieren, indem sie riesigen Terz um "D-Info" machen, aber schwerwiegende Fälle überhaupt nicht verfolgen, ist das reiner Populismus.

FOCUS: Was bringt die nächste "D-Info" - Angaben zu Körbchengröße und Sockenfarbe?

Steinhöfel: Bei drei Millionen verkauften CD-ROMs haben wir es nicht nötig, zusätzliche Personendaten aufzunehmen. Wenn es nur um den Wettbewerb der Produkte geht, hat derzeit kein Mitbewerber eine Chance.

* Der Bundesdatenschutzbeauftragte hält die CD für unzulässig

Joachim Nikolaus Steinhöfel

· Jahrgang 1962, nach Jurastudium 1989 Examen, Arbeit als selbständiger Anwalt

· Moderator bei Radio Schleswig-Holstein und RTL ("Kreuzfeuer", "Achtzehn 30")

· Beim "D-Info"-Anbieter TopWare ist Steinhöfel Anwalt und Aufsichtsratsvorsitzender

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